Presserezensionen zu randnotizen - Auszug
FrauzuFrau-Magazin, Ausgabe September 2009
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Dieses Buch ist ganz anders als die für dieses Thema übliche Ansammlung pathetischer Floskeln oder reißerisch angepriesener, angeblicher Enthüllungen .....
Die „Randnotizen“ verweigern sich trotz ihrer schonungslosen Offenheit dem üblichen Voyeurismus, ebenso wie den gängigen Zugangswegen und treffen doch, oder vielleicht gerade deswegen, besser die wunden Punkte, als jedes andere Werk, das ich zu diesem Thema gelesen, gehört oder gesehen habe. .....
Wer einmal beginnt, zu lesen, gerät in den Sog dieser Worte, auch wenn er sie nur überfliegt. Und plötzlich macht es Sinn, dass man das Buch immer wieder drehen muss, gezwungen ist, den Blickwinkel zu ändern, sich den manchmal schrecklichen Umständen anzupassen.
Was einem zu Beginn der Lektüre vorkommt wie zufällig aneinander gereihte Kontraste und Layout-Spielereien, wird mit jeder weiteren Seite als kühnes Konzept erkennbar, das die Unmöglichkeit, in beiden Welten als Mensch ident und integer zu bleiben, beinahe authentisch erfahrbar macht. Natürlich ist dieser Umstand gedanklich leicht zu erfassen – in den „Randnotizen“ aber wird er spürbar. Das macht die „Randnotizen“ zu einem wichtigen Dokument der jüngeren Zeitgeschichte und einem außergewöhnlichen Zugang zu den Menschen, die „im Dienst der Sache“ nicht nur im wörtlichen, sondern auch im übertragenen Sinn ihr Leben, nämlich das in der Heimat mit ihren Lieben, aufs Spiel setzen müssen.
Der 42jährige, deutsche Journalist Rüdiger Wenk ist verantwortlicher Redakteur beim Österreichischen Rundfunk ORF. Er hat viele Jahre im In- und Ausland für unterschiedliche Medien gearbeitet und sich dabei auch immer wieder mit militärischen Themen und den Verhältnissen in Krisenregionen auseinander gesetzt.
Das Magazin können Sie dowloaden bei: Frauzufrau.de
Colla Schmitz: "Ein Tag mit...", Seite 84-87
Ausgerechnet die „Brigitte“. Nie im Leben vermutet man in der Urmutter aller deutschen Frauenzeitschriften einen Bericht über einen Soldaten, der seine Einsatzerfahrungen zu Papier gebracht hat. Und so überrascht es, dass das Magazin Uwe Deißlers „Randnotizen: Als Berufssoldat in Afghanistan, als Mensch in der Heimat – ein Tagebuch zweier Welten“ als Buchtipp präsentiert. Mehr noch, es macht neugierig auf den Mann...
...... Was ist das wohl für ein Typ, der über sich selbst sagen kann: „Ich habe Gefühle. Bin aber auch hart wie Stein. Mein Job verlangt mir dies ab. Ich trage eine Sonnenbrille. Dahinter verberg’ ich mein Gesicht.“ Uwe Deißler versteckt sich nicht und Berührungsängste sind dem 44-Jährigen fremd.
„Das war nicht immer so“, räumt der Feldjäger freimütig ein. Auch er habe das erst lernen müssen. Geholfen hat ihm dabei sein Buch. 128 Seiten collagenartig zusammengesetzt. Ungewöhnlich von der ersten bis zur letzten Zeile. „Ich hatte nie vor, meine Einsatzerfahrungen zu veröffentlichen.“.....
Ganzen Bericht weiterlesen:
Simone Uetz verknüpfte Texte und private Bilder des Autors mit Pressezitaten, Landschaftsaufnahmen und teils schockierenden Reportagefotos. So entstand eine vielschichtige Text- und Bildwelt, die den Leser in ihren Bann schlägt. Die Gegenüberstellung von Öffentlichem und Privatem illustriert den inneren Konflikt des Soldaten. Hierin liegt vielleicht die größte Leistung der Grafikerin: Die Arbeit ist nun als Buch erschienen und wird von anderen Soldaten als hilfreich geschätzt, um Angehörigen die Erfahrungen eines Auslandseinsatzes zu vermitteln.
zum Bericht:
"Randnotizen" heißt ein ungewöhnliches Buch, das eigentlich eine Diplomarbeit ist und eigentlich ein Tagebuch und dann doch wieder was anderes, und so ließe sich das weiterführen. Technisch gesehen ist das spiralgebundene Werk 128 Seiten stark und hat 75 Bilder. Die lassen "Randnotizen" wie eine Reportage über Afghanistan und die Bundeswehr im Einsatz erscheinen. Stimmt soweit. Auf etlichen der Bilder ist dann aber immer wieder ein Feldjäger zu sehen. Das ist Uwe D., der eigentlich Deißler heißt (Foto aus dem besprochenen Buch), Berufssoldat ist und wie so mancher andere auch Bilder aus der Einsatzzeit gesammelt hat und Tagebuch geführt und Briefe und E-Mails geschrieben.
Texte und Bilder lägen wohl noch heut in einer alten Kiste, so berichtet Uwe D., wenn die angehende Diplom-Gestalterin Simone Uetz-Fugel aus dem Wohnort des Hauptfeldwebels sich nicht tief hineingekniet hätte in die Materie und eben ein ganz besonderes Buch daraus gemacht hätte. Das in seiner Urform als Diplomarbeit gar noch in Flecktarn eingeschlagen war und die Prüfer obendrein ziemlich beeindruckte. Schon wieder: eigentlich. Eigentlich ist das Buch gar nicht leicht zu lesen, nicht bloß wegen seines bruchstückhaft montierten Inhalts, in dem Pressemitteilungen, Tagebucheinträge, persönliche Korrespondenz und Begriffsdefinitionen aus Internet-Nachschlagewerken einander beinahe zusammenhanglos abwechseln, die obendrein mal vom normal, mal vom hochkant gehaltenen Buch abgelesen sein wollen. Eigentlich passt das aber ganz gut zum Hin- und Hergerissensein des Berufssoldaten, der zwischen Auftragserfüllung Heimweh, zwischen Gefahr und Entspannung und zwischen gewaltige Gefühlsextreme gestellt ist.
Leser haben berichtet, daß sie sich gut wiedererkennen in den Erinnerungen und Aufzeichnungen des Feldjägers aus dem Allgäu, wenn sie selbst im Einsatz waren, oder daß ihre Angehörigen sie besser verstehen, wenn sie selbst Söhne, Töchter, Freunde, Kinder im Einsatz haben.
Es sind Randnotizen, die das Buch füllen, aufgezeichnet von Uwe D., Berufssoldat der Bundeswehr. Insgesamt viermal hat Uwe D. im Ausland gedient, dreimal war er im Einsatz in Afghanistan. Aus seinen Tagebuchaufzeichnungen, privaten Fotos, Zeitungsartikeln und Texten der Bundeswehr ist (in Zusammenarbeit mit der Grafikdesignerin Simone Uetz) ein Buch entstanden, wie es persönlicher nicht sein könnte: Als Berufssoldat in Afghanistan, als Mensch in der Heimat - Ein Tagebuch zweiter Welten. "Nun steht man da und blickt in Kinderaugen, in denen sich die Angst widerspiegelt. Umschreiben. Verharmlosende Worte finden" schreibt Uwe D. beispielsweise über den Augenblick, in dem er seinem zehnjährigen Sohn sagt, dass er wieder fortgehen wird von zu Hause. Er schreibt über geplatzte Träume, Zweifel, Ängste. Und über schöne Momente, Wiedersehensfreude, den Sinn des Berufs. Das ist manchmal fremd, aber immer anrührend und nah.
„randnotizen“ ist kein politisches Buch, will auch gar keines sein und schon gar nicht zum Politikum werden. Es ist ein Buch, das die Zerrissenheit eines Soldaten zeigt; zerrissen zwischen Beruf und Familie, zwischen Heimat und Einsatzort, zwischen der Begeisterung für die gefährliche Aufgabe und der Sorge um das Wohl der Lieben daheim. Text und Optik spiegeln diese Zerrissenheit. „randnotizen“ braucht keinen „Top-Secret“-Stempel wie Achim Wohlgetans Besserwisser-Erzählung „Endstation Kabul“, es verlangt nur nach etwas Zeit. Die medial überstrapazierten vermeintlichen Gretchenfragen „Befindet sich Deutschland im Krieg?“ und „Wie stirbt sich‘s in Afghanistan?“ beantwortet das Buch nicht.
„randnotizen“ ist ein besonderes Buch. Kritiker loben seine Dichte, Soldaten, die es schon gelesen haben, behaupten, wer im Einsatz war, finde sich darin wieder. Frauen, geben in Internet-Foren an, ihre uniformierten Väter, Söhne, Freunde, Ehemänner nach der Lektüre ein bisschen besser zu verstehen.
Und was sagen Politik und Bundeswehr selbst, die sonst bei unautorisierten Insiderberichten von Soldaten gerne mal den Verteidigungsausschuss bemühen und Disziplinarmaßnahmen prüfen? Nichts, sie sagen nichts. Wenigstens nicht offiziell. Inoffiziell und telefonisch haben sie schon gratuliert. Insofern ist „randnotizen“ beinahe doch ein Politikum.
04.12.08 | Kulturredaktion Schwäbische Zeitung
Claus Liesegang
Annemarie Heibrock
Wer macht schon ein Testament, bevor er auf Dienstreise geht? Im zivilen Leben dürfte das wohl eher die Ausnahme sein. Bundeswehrsoldaten jedoch ist das dringend angeraten. In einer Broschüre des Bundesverteidigungsministeriums für Soldaten, die zu Auslandseinsätzen geschickt werden, steht auf einer Checkliste: „Testament, Rechtsanwaltsvollmacht, Vormundschaft, Lebensversicherung...“
Inzwischen macht niemand mehr einen Hehl daraus, dass besonders die Einsätze in Afghanistan Gefahren bergen für Leib und Leben der Soldaten.
Je außergewöhnlicher, bedrohlicher die Umstände, unter denen die Soldaten im Ausland leben, desto schwieriger wird oft die Verständigung mit den Angehörigen daheim. Das hat auch Uwe D. erfahren. Der 1965 geborene Hauptfeldwebel war mehrfach in Afghanistan im Einsatz. Dort hat er Tagebuch geführt, Fotos gemacht, Briefe geschrieben. Die Grafikdesignerin Simone Uetz hat aus den Texten und Bildern von Uwe D., aus dessen nachträglichen Rückblenden sowie aus Hintergrundinformationen ein Buch zusammengestellt, das auch den zuhause Gebliebenen einen lebendigen Eindruck vermittelt von einem Alltag im Ausnahmezustand. Ihr Buch mit dem bescheidenen Titel „Randnotizen“ lässt die Leserinnen und Leser teilhaben an Ängsten, Sorgen und Sehnsüchten eines Soldaten, der mit seinen Erfahrungen für viele andere sprechen dürfte, die unbekannt und ungenannt bleiben.
Dorothea Siegle
JS - Magazin der evangelischen Militärseelsorge, Ausgabe Oktober 2008





